Echt schräg: Der Museumsfriedhof Kramsach

Heiter und ernst zugleich – Grabinschriften des Museumsfriedhofs

vogelsang0181

Für ein Schmunzeln am 1. November …

Wien hat sein berühmtes Bestattungsmuseum, das Alpbachtal den einzigartigen Museumsfriedhof von Hans Guggenberger. Hinter den liebevoll restaurierten, witzigen Grabinschriften und Marterln stecken menschliche Tragödien.

„Hier ruht der ehrenreiche Jüngling Lenz Richter/Jetzt stumm und kalt; war 89 Jahre alt“

„Sie stürzte in eine Heugabel und fand darin ihr Grab“

Ein Friedhof ist ein ernster Ort, denn an ihm ist die Trauer zuhause. Das war auch schon im 19. Jahrhundert so. Während aber heut zutage höchstens Geburts- und Sterbedatum sowie Berufsbezeichnungen zu lesen sind, gaben sich die Hinterbliebenen früher deutlich mehr Mühe mit den Inschriften. Es wurde versucht, das Leben des Verblichenen in kurzen Versen wiederzugeben. Das Ergebnis war oft absichtlich oder unfreiwillig komisch, es offenbarte meist das Lebensdilemma eines Menschen noch posthum.

anich

Der Kramsacher Sagzahnschmied und Steinmetz Hans Guggenberger trug eine Sammlung einmaliger Gräber zusammen. Dazu noch etliche Marterln, also Gedenktafeln, die speziell im Alpenraum an Unglücksstellen aufgestellt werden. Guggenberger restaurierte seine humoristischen Funde und stellt sie auf seinem Museumsfriedhof aus: 60 Grabkeuze sind in würdigem Rahmen zu sehen, aber rund 500 weitere befinden sich im Depot. Und auch, wenn die Mehrzahl der Exponate aus dem 19. Jahrhundert stammt, die Ältesten sind schon ein halbes Jahrtausend alt.

krug0153

Der Mann von dem man nichts wusste, außer dass er sehr fett war, der Gatte, der sich freute, die böse Ehefrau los zu sein – hinter den lustigen Grabinschriften verbergen sich Tragödien von antikem Ausmaß. Wie nah Scherz und Ernst beieinander liegen, zeigt der Rundgang durch den Museumsfriedhof, weil dann unweigerlich viele Todesursachen wie  Slapstickfilme  vor dem geistigen Auge ablaufen – Menschen fallen vom Gerüst, werden von einer Kuh erdrückt oder verenden am selbstgebrauten Bier. Man kann den Autoren der gereimten Nachrufe durchaus unterstellen, dass sie genau diese Reaktion bezweckten. Die Dichter brachten selbst fatale Charaktereigenschaften genauso treffsicher auf den Punkt wie das, worüber zu Lebzeiten einer Person im Dorf oder in der Stadt getuschelt wurde. Die Grabtafel ist auch ein Ort an dem getratscht wird und der Interna öffentlich macht. „Hier liegt die Jungfer Rosalind/geboren als unerwünschtes Kind/Ihr unbekannter Vater/war Kapuzinerpater“ – selbst wenn der Reim hier etwas holpert, aus der Geschichte der Rosalind könnte man leicht ein trauriges Schauspiel machen.

matt0170

Viele der Sprüche sind absolut zeitlos, zum Beispiel der hier: „Es liegt begraben die ehrsame Jungfrau Nothburg Nindl – gestorben ist sie im siebzehnten Jahr/just als sie zu brauchen war.“ Seltsam muten uns eher die Exponate an sich an: Wir sind an massive Grabsteine gewöhnt, aber die filigranen, teilweise sehr fein gearbeiteten Tafeln, die Metall- und Holzkreuze sind echte Kunstwerke, die darauf warten, entdeckt zu werden. Museumschef Guggenberger zeigt hier seine handwerklichen Fähigkeiten und die seiner Mitarbeiter, denn der Zahn der Zeit und die Witterung nagten kräftig an den Ausstellungsstücken. Ihre Patina tragen die Kreuze zwar würdig mit sich herum, aber das macht auch den Reiz des Museumsfriedhofs aus.

www. alpbachtal.at

SEO Powered by Platinum SEO from Techblissonline